Viele Technologien, die unseren Alltag prägen, gehen auf Grundlagenforschung zurück, deren praktischen Nutzen anfangs niemand absehen konnte. Die Laserphysik führte beispielsweise zu vielfältigen, auch medizinischen oder biotechnologischen Anwendungen und die Quantenmechanik steckt heute in jedem Computerchip. Am Campus Garching hat die Technische Universität München (TUM) nun einen neuen Laborbau in Betrieb genommen, in dem Forschende aus Physik und Biowissenschaften unter einem Dach arbeiten.

Das neue Forschungsgebäude für Physik und Biowissenschaften am TUM Campus Garching. (Foto: A. Eckert/TUM)
Der Freistaat Bayern hat den Neubau finanziert. Wissenschaftsminister Markus Blume sagte bei der offiziellen Eröffnung: „Das wohl exzellenteste Gebäude der Republik: Im nagelneuen Physik-Gebäude der Technischen Universität München docken fünf der sieben Exzellenzcluster der TUM an – ein Rekord, der die absolute Spitzenstellung als beste Universität in der Europäischen Union untermauert. Wir haben hier über 87 Millionen Euro in Bayerns modernstes Labor zur Erforschung der Naturgesetze investiert. Vom Urknall bis zum Magnetfeld der Sonne – hier wird alles unter die Lupe genommen, Unsichtbares wird hier sichtbar. Der Neubau ist das Fort Knox der Physik: ein echter Spezialbau mit 44 Laboren, 18 Messräumen – und vielleicht der Brutkasten für die nächsten bayerischen Nobelpreisträger.“
TUM-Präsident Thomas F. Hofmann sagte: „Echte Innovationen entstehen selten auf direktem Weg. Sie beruhen vielfach auf den Erkenntnissen von Forschenden, die grundlegende Fragen stellen dürfen, ohne die Anwendung schon im Blick haben zu müssen. Dafür braucht es Freiraum und eine leistungsfähige Infrastruktur. Mit diesem Neubau investiert der Freistaat genau in diese Voraussetzungen. Dafür danke ich Staatsminister Blume sehr herzlich. Die TUM School of Natural Sciences gehört zu den Fundamenten, auf denen die Innovationskraft und wissenschaftliche Exzellenz der TUM wurzelt.“

Ein Labor im neuen Forschungsgebäude. (Foto: A. Eckert/TUM)
Labore, die sich der Forschung anpassen
Forschungsschwerpunkte ändern sich oft schneller, als Gebäude geplant und gebaut werden können. Der Neubau setzt deshalb auf Standardisierung: In den Obergeschossen gibt es 44 gleich ausgestattete Labore. Sie sind primär für gängige physikalische Experimente ausgelegt, lassen sich aber auch an spezielle Vorhaben und für biowissenschaftliche Zwecke anpassen. Die Flächen werden flexibel an Professuren und Nachwuchsgruppen vergeben. Hinzu kommen 18 Messräume für darüber hinausgehende Anforderungen. Im Untergeschoss liegen unter anderem acht erschütterungsgeschützte Laserlabore sowie vier Labore für Kryostaten mit bis zu 7,4 Metern Höhe. Labore für optische Experimente, die besonders empfindlich auf Vibrationen und Temperaturschwankungen reagieren, sind in einem eigenen Baukörper untergebracht, der vom übrigen Gebäude getrennt ist. Moderne Büro- und Seminarräume ergänzen das Angebotsspektrum.
Fünf Exzellenzcluster unter einem Dach
Im Neubau arbeiten Forschende aus fünf der sieben Exzellenzcluster der TUM: BioSysteM, e-conversion, MCQST, NUCLEATE und ORIGINS. Die Themen reichen von Quanten- und Energietechnologien über neue Materialien bis zu Biotechnologie und Biomedizin. Auch die Lehre profitiert: Die Labore stehen für die praktische Ausbildung sowie für Bachelor-, Master- und Promotionsarbeiten zur Verfügung. Dekan Prof. Johannes Barth sagte: „Physik und Biowissenschaften rücken bei vielen Fragen immer enger zusammen. Im neuen Gebäude arbeiten Forschende aus fünf Exzellenzclustern Tür an Tür. Genau dieser tägliche Austausch über Fachgrenzen hinweg ist oft der Ausgangspunkt für neue Ideen. Und unsere Studierenden lernen dort, wo neues Wissen entsteht.“
Weitere Informationen
Zum Gebäude:
- Bauzeit: Fünf Jahre
- Fläche: rund 13.100 Quadratmeter Bruttogrundfläche, davon 6.478 Quadratmeter Nutzungsfläche
- Ausstattung: 44 Standardlabore, 18 spezielle Messräume, insgesamt 80 Büro- und 5 Seminarräume
- Gestaltung: Die ansprechende Fassade aus feuerverzinktem Stahl trägt zur Temperaturstabilität in den Laboren bei. Im Inneren prägen Sichtbeton und Birkenholz das Bild.
Links:
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Originalartikel: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/mehr-raum-fuer-grundlagenforschung