Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Die Forschenden in Mini-München lernten danke ihrer Temperatur-Messungen, dass weiße Flächen und grüne Pflanzen nicht viel Wärme abstrahlen und Wasser die Umgebung kühlt. So bastelten sie in ihre Modelle begrünte Dächer und teils Fassaden und planten Windräder und Solaranlagen ein. (Foto: S. Mayerl / e-conversion)

Wie lässt sich eine Stadt gegen die Folgen des Klimawandels wappnen? Dieser Frage gingen in der ersten Woche der Spielstadt „Mini-München“ zahlreiche junge Bewohnerinnen und Bewohner auf den Grund. In Kooperation mit dem Exzellenzcluster e-conversion hat das Deutsche Museum ein interaktives Forschungsangebot realisiert, bei dem Kinder selbst zu Klima- und Energieforschenden wurden. 

Mini-München ist weit mehr als ein Ferienprogramm: Seit 1979 entsteht alle zwei Jahre in den Sommerferien für drei Wochen eine eigene Stadt von und für Kinder. 2026 findet Mini-München vom 3. bis 21. August auf dem Showpalast-Gelände in Fröttmaning statt. Täglich können bis zu 2.000 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren an der Stadtgesellschaft mitarbeiten, studieren, Geld verdienen, produzieren, Politik machen und mitgestalten. Mehr als 40 Partner aus Wirtschaft, Kultur, Verwaltung, Medien, Handwerk und Wissenschaft sind mit dabei.  

Das Besondere an Mini-München: Die Kinder übernehmen selbst Verantwortung. Wer sich beim Einwohnermeldeamt registriert, wird Bürgerin oder Bürger der Spielstadt und kann sich eigene Tätigkeiten suchen. Für eine Stunde Arbeit gibt es fünf MiMü, die eigene Währung der Spielstadt – ein MiMü wird als Stadtsteuer einbehalten. Wie in einer echten Stadt gibt es außerdem Regeln, Institutionen und politische Entscheidungsprozesse. Die Kinder erleben so spielerisch, wie Stadtgesellschaft funktioniert und wie die verschiedenen Bereiche miteinander zusammenhängen.  

Temperaturkarte und Hitzeschutzkonzept von Mini-München entsteht 

Genau hier setzte das Forschungsangebot von Deutschem Museum und e-conversion an. Im Zentrum stand ein eigens eingerichteter Forschungscontainer. Nach ihrer offiziellen „Anstellung“ als Nachwuchsforschende sicherten sich die Kinder Infrarot-Thermometer und zogen durch das gesamte Areal der Spielstadt. Ihre Aufgabe: Oberflächentemperaturen systematisch messen, vergleichen und dokumentieren. Aus den einzelnen Messungen entstand eine Temperaturkarte von Mini-München. So konnten die jungen Forschenden selbst untersuchen, welche Bereiche der Stadt besonders heiß werden und wo sich Unterschiede feststellen lassen. Ihre Messungen bildeten anschließend die Grundlage für die nächste Frage: Wie kann eine Stadt so gestaltet werden, dass sie besser mit Hitze und den Folgen des Klimawandels umgehen kann? Dann waren eigene Ideen für eine hitzebeständige und nachhaltige Stadt gefragt und die Teilnehmenden beschäftigten sich mit den Vorteilen der Solarenergie, lernten das Handwerk des Lötens kennen und fertigten eigene Solarpaneele an. Darüber hinaus entstanden zahlreiche informative Plakate zu Themen wie Hitzeschutz, grüner Stadtgestaltung und erneuerbaren Energien. 

Aus wissenschaftlicher Datenerhebung entstand so konkrete Stadtplanung und Ideen für die Zukunft. Das Konzept passt damit optimal zur Idee von Mini-München. Die Spielstadt versteht sich als Modell des gesellschaftlichen Lernens: Kinder sollen städtisches Leben nicht nur erklärt bekommen, sondern es in ernst genommenen Rollen selbst erfahren. Sie entscheiden eigenständig, welchen Tätigkeiten sie nachgehen, welche Angebote sie nutzen und wie lange sie bleiben wollen. Das offene Bildungs- und Erfahrungsangebot ermöglicht es, Lernen unmittelbar mit eigenem Handeln und Erleben zu verbinden. Und die Klima- und Energieforschung fügte sich angesichts der hochsommerlichen Temperaturen wunderbar in das vielfältige Stadtleben ein. 

Die Arbeitsergebnisse dieser Forschungsinitiative sollen demnächst auch außerhalb von Mini-München zu sehen sein: Die entstandenen Arbeiten werden im Deutschen Museum präsentiert. Der genaue Ausstellungszeitraum wird noch bekannt gegeben. 

Impressionen aus Mini-München