Ganz zufällig haben sie den Escape-Room entdeckt, kurz hinter dem Eingang des Deutschen Museums. Smilla ist gerade mit zwei ihrer Freunde und ihren Eltern auf München-Besuch. Jetzt knobeln sie sich von Rätsel zu Rätsel zu nachhaltigen Energietechnologien. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt die Schülerin. Mit einer Kugelbahn haben sie gerade schon einen passenden Halbleiter für die künstliche Fotosynthese gefunden. Aber wo auf diesem Poster mit dem Periodensystem versteckt sich der Code, mit dem sie das nächste Schloss öffnen können?

Smilla und ihre Freunde knobeln sich durch die Rätsel von „Escape from Carbonia“. (Foto: Astrid Eckert / TUM)
Sie werden es schaffen, wie mehrere hundert vor ihnen, die diesen Escape-Room bereits gespielt haben. Er ist eines von zahlreichen Formaten, mit denen die TUM die Wissenschaft in die Stadt bringt. Nicht nur hier, im Science Communication Lab des Deutschen Museums, wo Forschende ihre Ideen direkt mit Publikum ausprobieren können. Auch auf Straßenfestivals, bei Schulangeboten und Vorlesungen für Kinder oder bei Wissenschaftstalks in Kneipen und Wirtshäusern.
Dialog mit der Öffentlichkeit
„Wir schaffen Berührungspunkte und laden Menschen zum Gespräch ein“, erklärt Prof. Jeanne Rubner. Sie ist Vizepräsidentin der TUM und zuständig für Kommunikation und Public Engagement. „Wenn wir als Universität relevant bleiben wollen, müssen wir den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen. Und Menschen erreichen, die sonst wenig Bezug zur Wissenschaft haben.“ Das Anliegen, Gesellschaft und Wissenschaft näher zusammenzubringen, ist im Zukunftskonzept der TUM verankert. Dazu gehört die Forschung mit Bürgerinnen und Bürgern genauso wie interaktive und spielerische Formate. Es geht darum, Jugendliche für eine Ausbildung in der Forschung zu begeistern und Menschen zu motivieren, sich näher mit Zukunftstechnologien und ihrer Relevanz für unsere Gesellschaft zu beschäftigen, und so das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken. Oft sind es Forschende und Studierende, die sich auf eigene Initiative engagieren. Förder- und Drittmittelprogramme legen Wert auf eine interaktivere Wissenschaftskommunikation. So entstehen neue, kreative Formate, vom Quanten-Lernportal bis zur mobilen Kochshow zur Darmgesundheit. Kreativ beraten und organisatorisch unterstützt werden sie dabei auch von zentralen Einrichtungen und Angeboten wie dem TUM Center for Culture and Arts, dem TUM Think Tank, der Jungen Akademie oder dem Corporate Communications Center.
Ein Escape-Room als Pop-up-Labor für die Straße
So auch das Team hinter dem Escape-Room „Escape from Carbonia“. Für die Idee, Energieforschung aus dem Exzellenzcluster e-conversion in ein Spiel zu verpacken, gewann es den Hochschulwettbewerb von Wissenschaft im Dialog, der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Wissenschaftsjahr 2025 „Zukunftsenergie“ gefördert wurde. Die Experimente im Escape-Room drehen sich um die Energieversorgung der Zukunft. „Für mich ist Wissenschaftskommunikation essenziell“, sagt Physik-Doktorandin Yixiao Zhang, „um möglichst vielen Menschen einen Einblick in die Forschung zu geben, die unseren Alltag beeinflusst – und um zu zeigen, wie wir durch neue Erkenntnisse unsere Welt besser gestalten können.“ Sie hat ein Rätsel für den Escape-Room entwickelt, das mit 3D-Modellen und einer UV-Taschenlampe zeigt, welche Bedeutung die Oberfläche von Katalysatoren für eine effiziente Energieumwandlung hat. Kleine Experimente wechseln sich ab mit Modellen, Audio-Botschaften und versteckten Hinweisen. Die Spielenden sollen ausprobieren, selbst experimentieren und so die Wissenschaft besser verstehen. Schritt für Schritt entschlüsseln sie entscheidende Wissensbausteine der sogenannten „künstlichen Fotosynthese“: So werden Technologien bezeichnet, die mit dem Sonnenlicht chemische Reaktionen starten, um Wasserstoff zu gewinnen und CO2 aus der Luft zu filtern. Wie ein Pop-up-Labor für die Straße kann das Spiel schnell in Kisten verpackt werden und war auf mehreren Events und Festivals in München unterwegs. Erlebt werden kann es aber auch weiterhin, etwa im Garchinger Schülerlabor von e-conversion.
Chatbots im Theater
Solche spielerischen und interaktiven Formate schaffen nicht nur niederschwellige Berührungspunkte zur Wissenschaft – sie ermöglichen es den Forschenden auch, mehr zu erfahren über die Einstellungen, Sorgen und Hoffnungen der Menschen gegenüber neuen Technologien. Zum Beispiel zur Künstlichen Intelligenz. Welche komplexen ethischen und emotionalen Fragen Chatbots und generative KI aufwerfen, erkundete das Institute for Ethics in Artifical Intelligence (IEAI) mit einem Theaterstück, als Teil des Forschungsprojekts „MoralPLai“. „The Third Voice“ ist ein forschungsbasiertes Theaterstück, das auf Interviews mit Experten und Expertinnen beruht. Es spielt in einem Krankenhaus, einem Gerichtssaal und einer Familie. Im Mittelpunkt stehen eine Ärztin, die bei der Behandlung eines todkranken Patienten einen KI-Chatbot konsultiert, und ihre Teenager-Tochter, die emotionalen Halt im Gespräch mit eben diesem System sucht. Die verwobenen Handlungsstränge regen dazu an, über den kritischen und verantwortungsbewussten Umgang mit KI-Chatbots nachzudenken und zeigen zugleich, wie solche Systeme die ethischen Entscheidungen von Menschen unterstützen, aber ebenso untergraben können. Bei der Uraufführung im Münchner Amerikahaus war auch das Publikum gefordert. Es sollte ein Urteil darüber fällen, welche der Hauptfiguren für die (un)verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung des Chatbots verantwortlich und damit schuldig sei. Diese Frage hallte über den gesamten Abend hinweg nach, während der Podiumsdiskussion, in der Fragerunde und in privaten Gesprächen im Anschluss. Die vielfältigen Publikumsrückmeldungen zu Anforderungen und Erwartungen an das Design von KI-Chatbots fließen in das Forschungsprojekt MoralPLai am IEAI der TUM ein, mit dem Ziel, eine menschenzentrierte Entwicklung dieser Technologie zu fördern.
Bewegung, Rhythmus und gemeinsames Erleben
Den Ansatz, Wissenschaft und Technologie über künstlerische Ausdrucksformen erfahrbar zu machen, verfolgt auch „TUM tanzt!“ Das Veranstaltungskonzept bringt Forschung über Bewegung, Rhythmus und gemeinsames Erleben in die Stadt. „Tanzen ist eine ganz besondere Art sich auszudrücken, in Kontakt zu kommen, mit sich und anderen“, sagt Lisa Lugo, die im Bereich Angewandte Sportwissenschaft der TUM School of Medicine and Health unterrichtet. Das TUM Center for Culture and Arts hat das Projekt gemeinsam mit ihr und ihrer Kollegin Tina Schwender initiiert. Im Rahmen der Projektwoche Community Dance wuchsen Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen in wenigen Tagen zu einer Tanzkompanie zusammen und präsentierten ihre Choreografie beim Münchner Kunstareal-Fest 2025 in der Rotunde der Pinakothek der Moderne. Dabei, aber auch bei den anderen Workshops und Performances, ging es um Fragen wie Verantwortung und Gemeinschaft, um Mensch-Maschine-Interaktion und darum, Bewegung und Gesundheit ganz körperlich zu erleben – für große und auch kleine Gäste.
Weitere Informationen und Links
Das Jugendforschungszentrum MINTopolis
Leidenschaft und Kompetenzen in den MINTFächern zu vermitteln, das ist das Ziel des Jugendforschungszentrums MINTopolis in Miesbach. Es wurde 2025 offiziell eröffnet und bietet Kurse für Schulklassen sowie die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, eigene Projekte umzusetzen. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei der TUM. Unterstützt wird MINTopolis von der Stiftung Schülerforschungszentrum Oberland und dem Bayerischen Kultusministerium.
www.mintopolis.de
Wissenschaft hautnah erleben
An der TUM gibt es eine Vielzahl von Angeboten und Programmen wie Experimente für Kinder und Jugendliche, Diskussionen mit unseren Forschenden oder bei partizipativen Forschungsprojekten.
TUM Corporate Communications Center
Kolja Kröger
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Originalartikel: https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/so-bringen-wir-die-uni-in-die-stadt


